In Zeiten von Corona und Kontaktbeschränkungen ist es schön, wenn man wenigstens noch nachts zum Fotografieren kommt. Nicht, dass man dieser Tage in Schleswig-Holstein auch anderswo auf viele Menschen treffen würde, aber nachts im Moor ist man definitiv alleine – von einem Fotofreund in sicherer Entfernung mal abgesehen.

Passend zum ersten Höhepunkt der Milchstraße gab’s allerbeste Bedingungen mit kalter, klarer und sehr trockener Luft bei fast völliger Windstille. So sind wir denn auch in zwei aufeinanderfolgenden Nächten jeweils um 02:30 Uhr losgezogen und haben tolle Ergebnisse erzielt.

Das erste Bild von diesem wunderschönen toten Baum habe ich Reaching Out genannt. Ich finde, es sieht so aus, als strecke der Baum einen Arm nach dem Universum aus.

Für das zweite Bild habe ich zum ersten Mal den gesamten Bogen der Milchstraße in einem Bild vereint, was sowohl fotografisch als auch von der Bearbeitung her eine etwas größere Baustelle ist.

Dieses Bild besteht aus insgesamt 30 Einzelbildern (2 Panoramen à 15 Bilder). Der erste Schwenk umfasst größtenteils den Himmel und wird so belichetet, dass die sich bewegenden Sterne keine Streifen ziehen (max. 15-20s). Für den zweiten Durchgang wird die Kamera weiter nach unten gerichtet, um mehr Vordergrund abzudecken. Dieser kann dann auch länger belichtet werden, denn er bewegt sich ja nicht.

Die beiden resultierenden Panoramen werden dann in der Bildbearbeitung untereinander geklebt und ergeben ein großes Gesamtbild. Vorteil dieser Technik ist ein sehr großer Blickbereich, hohe Auflösung der finalen Datei und großer Detailreichtum.

Gegen 04:15 Uhr setzt dann die blaue Stunde ein, d.h. der erste ganz leichte Schein der Sonne erhellt den Himmel, obwohl sich die Sonne 2 Stunden vor dem eigentlichen Sonnenaufgang noch weit unter dem Horizont befindet.

Für den empfindlichen Kamerasensor ist das jedoch schon ausreichend und der Kontrast zur Milchstraße wird zu gering, um noch gute Ergebnisse zu erzielen.

Trotzdem lohnt es sich, noch auszuharren, denn die Stimmung im langsam erwachenden Moor ist einmalig. Leider gab’s diesmal keinen Nebel, dafür war die Luft viel zu trocken.

Trotzdem habe ich auf dem Rückweg noch diese beiden schönen Szenen von den Highland-Rindern im Gegenlicht auf der Koppel nebenan eingefangen.

  • Titel – All Things Galactic Pt.2
  • Aufgenommen – 27. März 2020, 04:03
  • Kamera – X-T3
  • Brennweite – 21mm
  • Blende – ƒ/1
  • Verschlusszeit – 60s
  • ISO – 6400