Jetzt ist ja wieder diese herrliche Zeit im Jahr, in der es hier im Norden nachts nicht richtig dunkel wird. Die ganze Nacht hindurch bleibt am nördlichen Nachthimmel dieser tolle orangene Schein hängen. Und das wollte ich unbedingt auch mal an der Westküste auf Eiderstedt erleben.

Drum habe ich kurzerhand neben meiner neuen Kamera auch meine Frau eingepackt und wir haben uns mit dem Schlafwagen aufgemacht. Zuerst wollte ich den Sonnenuntergang in Stuffhusen an der Nordwest-Spitze von Eiderstedt einfangen und das ist mir nach einigem Gesuche nach einem geeigneten Motiv im matschigen Watt auch gelungen. Hier also das allererste Bild aus der neuen Canon.

Mäandernder Priel im Wattenmeer vor Westerhever

Eine Weile später, als die Sonne eben gerade untergegangen war (es gibt davon keine Bilder mehr, weil sich alle Wolken aufgelöst hatten), habe ich mich dann nochmal zur anderen Seite gedreht und südlich den Priel herunter fotografiert. Denn da stand der allseits beliebte Leuchtturm der Herzen und ich kann nicht nach Westerhever fahren und kein Bild vom Leuchtturm machen – das geht nicht.

Der schönste Leuchtturm Deutschlands in ungewöhnlicher Optik

Nachdem ich den fiese klebrigen Schlick von den Füßen wieder runter hatte, habe ich mit meiner Frau gemütlich und ganz allein auf weiter Flur ein leckeres Getränk verhaftet und wir haben uns den tollen Abendhimmel angesehen. Zu vorgerückter blauer Stunde konnte ich dann noch dieses Bild hier mitnehmen, denn in Stuffhusen gibt es etliche von diesen hübschen Gezeitentümpeln und lauter kleine Inselchen.

Blaue Stunde vor der Küste Eiderstedts

Anschließend haben wir den Schlafwagen dann kurz auf den Parkplatz am Leuchtturm verholt und ich wollte eigentlich ein bisschen schlafen. Aber dann hörte ich von einem Kollegen, dass die Chancen auf leuchtende Nachtwolken gut stünden und so machte ich mich gegen Mitternacht auf in die Salzwiesen auf der Suche nach einem schönen Motiv. Das fand ich dann in dieser alten Brücke, die sich als Vordergrund andiente. Von der Szene habe denn auch gleich mal ein Panorama gemacht – den Fotografenschatten gab’s als kurioses Souvenir dazu, denn ich hatte den Leuchtturm im Rücken.

Nachtleuchtende Wolken über den Salzwiesen von Westerhever

Etwas später bin ich dann mal Richtung Stockenstieg marschiert, denn die Leuchtwolken machten gar keine Anstalten, zu verschwinden. Am Stockenstieg gibt’s ja diese schöne, alte Brücke, die ich auch schon mehrfach fotografiert habe, aber immer in südlicher Richtung, nie jedoch in nördlicher. Und die Leuchtewolken haben mitgespielt.

Leuchtende Nachtwolken über dem Stockenstieg in Westerhever

Mittlerweile war es 2 Uhr und die Wolken klangen langsam ab. Aber an Schlaf war nicht zu denken, zu wunderbar war die Szene. Wohlweißlich hatte ich mir einen Stuhl mitgebracht und so machte ich es mir denn neben der Brücke gemütlich und wartete auf die Morgendämmerung. Gegen halb 4 war bereits ein deutlicher Schein am Horizont auszumachen.

Beginn der blauen Stunde am Stockenstieg in Westerhever

Zur gleichen Zeit genau in die andere Richtung dominierte natürlich noch der tiefblaue, südliche Nachthimmel aber der orange-rote Schimmer tauchte den Vordergrund inklusive Leuchtturm in ein ganz besonderes, diffus-warmes Licht. Das musste ich einfach festhalten. Gleichzeitig war doch einiges an Feuchtigkeit in der Luft, sodass die Strahlen der Kennung gut sichtbar waren.

Der Leuchtturm Westerhever im ersten, zarten Dämmerungslicht

Danach wurde es dann zunehmend feucht und etwas fröstelig, meine Augen waren klein und der Himmel leer. Der erste wame Dämmerungsschein war bereits beträchtlicher Helligkeit gewichen und angesichts völligen Fehlens von Wolken war klar, dass der Sonnenaufgang nicht sonderlich spektakulär ablaufen würde.

So beschloss ich denn, mich langsam aber sicher Richtung Schlafwagen aufzumachen und gegen halb fünf war ich dann in der Koje.

Was für ein rundum gelungener Abend und ein toller Einstand mit der neuen Kamera!

  • Titel – The Meander
  • Kamera – Canon EOS R
  • Brennweite – 30mm
  • Blende – ƒ/11
  • Verschlusszeit – 1/40s
  • ISO – 100